Unsere Familie ist vermutlich nicht komischer als die, welche andere Menschen von sich kennen. Trotzdem muss ich mir manchmal an den Kopf fassen, besonders bei einem Fall. Der Bruder des Vaters meiner Frau hört auf den Namen Wilhelm und ist, für sich genommen, ein netter Mann. Er hat aber einen ziemlichen Tick was Innenausstattungen angeht. Er hat das früher einmal beruflich gemacht. Als er in Rente ging, fehlte ihm sein Beruf so sehr, dass er ihn zum Hobby machte. Seine Frau, Hildegard, schien schon vorher etwas geahnt zu haben. Sie machte ihm eine Überraschung, indem sie einen Schrebergarten anmietete, in welchem ihr Mann nun seine Zeit damit verbringen sollte, was man eben an einem solche Ort macht: Blumen und Gemüse anpflanzen.

 

Er hielt es dort nicht lange aus und musste sich Vorwürfe anhören, er hätte es ja gar nicht richtig versucht. Er schluckte also diese Kröte, fand aber seinen eigenen Weg, um sich zu beschäftigen. Aus der Gartenarbeit selber machte er eine Pflichtübung, während das kleine Gartenhaus den Hauptteil seiner Aufmerksamkeit genoss. Er stattete es so umfassend aus, dass man darin locker hätte ganzjährig wohnen können. Ihm machte es großen Spaß, dies alles bei sehr kleinem Platzangebot zu ermöglichen. Eine komplette Küche, Klappbetten, variabler Stauraum, eine verstaubare Couch, Satellitenfernsehen, elektrische PVC Jalousien, usw. usf.

 

Während dieser Zeit merkte er einmal an, dass er es mittlerweile bedauere, keine Karriere als Schiffsausstatter gemacht zu haben. Und in der Tat, als wir einmal bei ihnen dort zu Besuch waren, erinnerten mich die 14 m² Raum tatsächlich an die Kajüte eines mittelgroßen Segler, auf dem 2 Leute versuchen, die Welt zu umrunden. Als ich eben diese Bemerkung fallen ließ, schaute Hildegard mich bittend an, während Wilhelm nur meinte: „Nicht wahr!?“. Hildegard hatte sich offenbar arrangiert mit dem Tick, um die Ausstattungswut ihres Mannes wenigstens eingrenzen zu können. Oder befürchtet sie, ihren Lebensabend bald auf einem Schiff verbringen zu müssen?

 

Ich goss damals jedenfalls kein weiteres Öl ins Feuer, musste mich bei Wilhelm allerdings noch darüber informieren, wie ich die elektrische Jalousien anbringen könnte, die wir uns selber gegönnt hatten. Als ich die Frage stellte, sankt die arme Frau etwas in sich zusammen, woraufhin ich eine beschwichtigende Geste zu ihr machte. „Klar, komm mit, geht ganz einfach!“ rief Wilhelm aus und zeigte mir wie es funktionierte. Er hatte Recht gehabt. Die Montage war eine Sache von 20 Minuten, wenn man wusste, wie es geht. Er wollte mich danach noch weiter durch seine Kajüte führen. Mit Hildegard im Hinterkopf, lehnte ich das Angebot allerdings dankend ab.   

 

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